Fragen und Antworten

Bis zum letzten Schwarzwaldhof? - Schnelles Internet im Südwesten

Von Bettina Grachtrup, dpa

Stuttgart (dpa/lsw) - Es ist fast zu einem geflügelten Wort geworden. «Unser Ehrgeiz ist es, auch den letzten Schwarzwaldhof mit dem schnellen Internet zu versorgen», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) im vergangenen Jahr. Daran wird er nun gemessen. An diesem Montag empfängt Strobl, der auch für Digitalisierung zuständig ist, Vertreter von Telekommunikationsfirmen, um über den Ausbau zu reden.

Grenzenlos surfen und Videos sehen, TV in höchster Auflösung und Musik in bester  Qualität bekommen ?   mit dem schnellen Internet lassen sich solche Wünsche erfüllen.
Grenzenlos surfen und Videos sehen, TV in höchster Auflösung und Musik in bester Qualität bekommen – mit dem schnellen Internet lassen sich solche Wünsche erfüllen. FOTO: dpa
Was versteht man unter schnellem Internet?

Übertragungsraten von mehr als 50 Megabit je Sekunde sind notwendig, um beispielsweise Videos aus dem Netz möglichst ruckelfrei anzusehen oder professionelle IT-Anwendungen von Servern zu nutzen. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2018 flächendeckend solche Übertragungsgeschwindigkeiten zu erreichen. Aber der Bedarf nach noch schnelleren Verbindungen steigt stetig.

Wie ist der Stand der Dinge im Bund und im Südwesten?

Nach dem Breitbandatlas der Bundesregierung (Stand Ende 2016) ist bundesweit für rund 75 Prozent der Haushalte eine Verbindung von mindestens 50 Megabit je Sekunde verfügbar. In Baden-Württemberg liegt der Anteil mit 77,3 Prozent etwas über dem Bundesdurchschnitt - das entspricht nach Angaben des Innenministeriums 225 000 Haushalten. Unter den Flächenländern belegt der Südwesten den dritten Platz - nach Nordrhein-Westfalen (82,2 Prozent) und Schleswig-Holstein (80,0 Prozent). Spitzenreiter sind aber die Stadtstaaten Hamburg (94,6 Prozent), Bremen (93,6 Prozent) und Berlin (90,2 Prozent).

Worin liegt das Problem?

In Deutschland ist die Versorgung mit schnellem Internet grundsätzlich eine Aufgabe der privaten Telekommunikationsanbieter. Für sie ist es wesentlich lukrativer, schnelle Anschlüsse in dicht besiedeltem Gebiet anzubieten, weil dort viele potenzielle Kunden sitzen. Menschen auf dem Dorf haben häufig das Nachsehen. Der Breitbandatlas zeigt für Baden-Württemberg noch viele weiße Flecken, in denen die 50 Mbits pro Sekunde bei Weitem noch nicht verfügbar sind. Der Bund und das Land fördern den Ausbau des Internets dort, wo kein privater Anbieter Interesse zeigt. Denn auf dem Land gibt es oft nur die Kupfernetze der Telekom. Problem: Je länger diese Kabel sind und je mehr Menschen sie gleichzeitig nutzen, desto langsamer wird das Internet. Deshalb gilt leistungsfähige Glasfaser als Zukunftstechnologie - die ist aber teurer.

Wie sieht die Förderung in Baden-Württemberg aus?

Das Land Baden-Württemberg hat die Förderung des Breitbandausbaus hochgeschraubt - von 1,7 Millionen Euro (2008) über 13,2 Millionen Euro (2013) auf 115,7 Millionen Euro (2016). Es fördert damit Betreibermodelle, bei denen die Kommunen eine eigene Infrastruktur - meistens Glasfaser - aufbauen und an Internetbetreiber verpachten. Trotz der Fördermittel aus verschiedenen Töpfen bleiben Restbeträge, die aus den kommunalen Haushalten finanziert werden. Über die Beitragszahlungen der Kunden an die Betreiber sollen die Beträge zurück in die kommunalen Haushalte fließen. Der Landkreistag forderte im vergangenen Mai, die Fördermittel des Landes Baden-Württemberg auf jährlich mindestens 250 Millionen Euro aufzustocken.

Ist das Ziel, bis Ende 2018 überall schnelles Netz anzubieten, erreichbar?

Der Bereichsleiter Telekommunikationspolitik beim Digitalverband Bitkom, Nick Kriegeskotte, sagt, das Ziel sei prinzipiell erreichbar, wenn man alle verfügbaren Technologien einbeziehe - also zum Beispiel auch Mobilfunknetze und Satellitentechnik. Für den besagten «letzten Schwarzwaldhof» lohnt es oft nicht, ein Kabel zu legen. Hier käme etwa Mobilfunk oder Satellitentechnik zum Einsatz. Das würde aber auch höhere Kosten für den Kunden bedeuten. Der Kunde muss letztlich entscheiden, ob er diese Kosten tragen will.

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