Konzert - Gitarrist Peter Bernstein im Pappelgarten

Jazzige Lässigkeit

VON HEIKO REHMANN

REUTLINGEN. Vor Kurzem hat Peter Bernstein, Urgestein der New Yorker Jazzszene, eine Solo-CD aufgenommen. Am Dienstagabend sitzt der Gitarrist in Reutlingen im Pappelgarten und spielt zum ersten Mal in Europa sein Soloprogramm. Für diese Premiere ist der Musiker sogar extra aus Barcelona eingeflogen. Und weil sein Flieger zwei Stunden Verspätung hatte, beginnt das Konzert am 8. 8. nicht zu der »Schnaps-Uhrzeit« 8.08 Uhr, sondern erst um 8.48 Uhr, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch.

Gespannt erwarten die Jazz-Enthusiasten den Meister - und der enttäuscht sie nicht. Sanft schlägt er die Akkorde, geschmeidig zupft er die Melodie, lässt seine Finger wie Sekttropfen über das Griffbrett perlen, schraubt sich die Tonleiter hinauf und hinunter, wagt tonale Sprünge, die sich wie selbstverständlich ins Ganze fügen, verwebt Melodie und Akkorde wechselseitig ineinander, dass es scheint, als spiele er zwei Instrumente zugleich.

Mal lässt er seine Jazzgitarre hauchen, mal wimmern, manche Akkorde kommen forsch daher, manche sanft und fragend. Während er spielt, schaut er kaum ins Publikum, beugt sich über seine Gitarre, versunken in sich und in seine Musik, verwachsen mit seinem Instrument, und spielt mit jazziger Lässigkeit. Das Ende manches Stückes kommt so beiläufig daher, dass man es kaum bemerkt.

Raunendes Tremolo

Einige Stücke sind von abstrakter Intellektualität geprägt, andere von subtiler Emotionalität. Manche bezaubern mit verträumten Melodien, so wie etwa das Stück, das John Lewis für Django Reinhardt geschrieben hat. Töne, die in sanftem Vibrato verzittern, treffen auf kantige Akkorde, während ein raunendes Tremolo den Grundton abgibt.

Abgesehen von »Lullaby for B.«, das Peter Bernstein selbst komponiert hat, spielt er altbekannte Klassiker der 30er, 40er-, 50er- und 60er-Jahre, denen er mit seinem Improvisationstalent seine ganz persönliche Note verleiht. Thelonious Monks »Pannonica« ist genauso zu hören wie Vernon Dukes »Autum In New York« oder John Coltranes »Giant Steps«. Mit seiner Spielfreude und seiner Fähigkeit, den Klassikern neues Leben einzuhauchen, begeistert er sein Publikum. (GEA)

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