Musikfest - Die Jazz- und Klassik-Tage locken vom 14. bis 22. Oktober mit rund 70 Konzerten in Tübingen und Umgebung

Jazz- und Klassik-Tage Tübingen: Von Jamsession bis Geigenzauber

VON ARMIN KNAUER

TÜBINGEN. Dass man mit Minderheitengenres wie Jazz und Klassik am Ende doch Massen locken kann, das erstaunt Sven Gormsen selbst. Und doch funktioniert es, zumindest wenn über dem Ganzen »Jazz- und Klassik-Tage« drübersteht. Zwar ziehe man nicht so viel Volk an »wie Helene Fischer«, räumt der Festival-Organisator ein - aber seiner Erfahrung nach doppelt so viele, als würden die Konzerte außerhalb des Musikfests laufen.

Am 17.10.: Jeschi Paul und Heidrun Speck. FOTO: PR
Am 17.10.: Jeschi Paul und Heidrun Speck. FOTO: PR
Diesen Samstag geht das Konzept in die 19. Runde. Eine Woche lang, bis zum 22. Oktober, bringen Veranstalter in Tübingen, Reutlingen, Rottenburg, Herrenberg, Kirchentellinsfurt, Hechingen und weiteren Orten ihre Veranstaltungen in das Gesamtprogramm ein. »Die Veranstalter übernehmen Kosten, Risiko und die Gema«, stellt Gormsen klar. »Wir übernehmen die Werbung.«

Wobei: Zwei Eigenproduktionen bietet das Jazz-Klassik-Tage-Team doch. Traditionsgemäß das Eröffnungskonzert, das diesen Samstagabend, eine Rarität, rein klassisch ausfällt: Im LTT spielen das Villa-Berg-Quartett und Andrea Amann Klavierquintette von DvorËák und Brahms. Die Klassik, stellt Mitorganisator Martin Trostel fest, sei im Festival stets etwas unterrepräsentiert; dem habe man entgegenwirken wollen. Das zweite Eigenkonzert ist der Auftritt von Richie Beirach am 21. Oktober im Sparkassen-Carré.

Auftakt mit Musik in Läden

Den Auftakt macht wie immer die Aktion »BeSwingt einkaufen« am Samstagmorgen ab 11 Uhr mit Live-Acts in Tübinger Läden. Insgesamt soll das Programm, das ist den Organisatoren wichtig, die hiesige Szene widerspiegeln und kein Schaulaufen der Stars sein. Ein paar Ausnahmen gibt es. Brian Auger gehört dazu, der große britische Meister der Hammondorgel. Richie Beirach natürlich; Dieter Ilg mit seinem Trio, der mit einer Jazz-Hommage an Bach in der Alten Synagoge in Hechingen auftritt (22. Oktober).

Letztlich hat die Region samt Stuttgart jedoch an sich schon exzellente Musiker zu bieten. So lässt Barbara Bürkle Ella Fitzgerald und Dizzy Gillespie wieder aufleben (15. Oktober, Rainbow Dance Factory Pfrondorf). Axel Kühn, Sandi Kuhn und andere beleben von Mittwoch bis Samstag die Late-Night-Sessions ab 22 Uhr in der Tübinger Liquid Bar. Den frühen Abend wiederum kann man von Montag bis Freitag in der Reihe »Apero« ab 18 Uhr bei entspanntem Livejazz genießen - in jeweils wechselnden Lokalitäten.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Jugend. Nicht umsonst, denn Trostel und Gormsen ist klar: »Wenn unten nichts nachkommt, wird's nichts.« Jazz wie Klassik sind beim Jungvolk keine Selbstläufer. Aber sie können überzeugen, vor allem in der Live-Situation, ist die Erfahrung von Trostel. Also stellen sich in der Rubrik »U21« junge Interpreten auf die Bühne. Etwa der Dettinger Jakob Manz mit Kollegen, die am Mittwoch, 18. Oktober, im Goldene Zeiten am Europaplatz jazzen werden. Auch die Christel-Guthörle-Stipendiaten Eva und Jakob Schall lassen sich hören - an der Tübinger Musikschule, wo ihre Anfänge liegen (19. Oktober).

Dazu kommt die Reihe »Kids Days«, in der Klaus Beyreuther die junge Generation gezielt an Jazz und Klassik heranführt. Unter anderem haben Schüler aus Tübingen und Umgebung Zeichnungen zu Prokofjews Musik-Märchen »Peter und der Wolf« erstellt. Sie fließen bei der Aufführung am 15. Oktober (15 und 17 Uhr, LTT) in das Video-Bühnenbild ein.

Der kubanische Jazzmusiker Roberto Santamaria wiederum besucht für die »Kids Days«-Reihe eine Schulklasse der Region, um mit den Jugendlichen kubanische und deutsche Lieder auszutauschen. Das Ergebnis wird am Sonntag, 22. Oktober, um 11 Uhr in der Aula der Waldorfschule Tübingen vorgestellt. Außerdem bietet »Kids Days« Workshops, Mitmachaktionen, eine Instrumenten-Probierstunde sowie Zeichentrickfilm mit Livemusik.

Zwei Veranstaltungen haben die Jazz- und Klassiktage-Macher ins Programm genommen, obwohl sie im November liegen, also quasi als Nachklapp. Das eine ist der Auftritt des Pasadena Roof Orchestras am 16. November im Tübinger Hotel La Casa. Das andere ist die Aufführung der wiederentdeckten Oper »Il cacciatore deluso« des Barockkomponisten Niccolò Jommelli am 3., 4. und 5. November im Festsaal der Neuen Aula. Ob Jommelli bereits den Swing hatte, ist noch die Frage. Beschwingt wird das musikalische Lustspiel um Liebesintrigen und das »Kurieren« eines notorischen Frauenverächters aber wohl allemal. (GEA)

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