Interview - Der Sänger und Bassist Ian »Lemmy« Kilmister über das 21. Album von Motörhead

»Lemmy«: Hart, aber herzlich

Ein Rocker, wie er im Bilderbuch steht: Ian »Lemmy« Kilmister. FOTO: PR
Audienz beim Metal-Papst: Eigentlich hat Ian »Lemmy« Kilmister überhaupt keine Lust mehr, Fragen zu beantworten. Sein Blick sagt, dass er lieber in der Garderobe hocken und im neuen Schocker von Stephen King schmökern würde. Aber dank Jim Beam auf Eis plaudert er dann doch, immer wieder in ein Röcheln verfallend, mit Olaf Neumann.

GEA: »Born To Lose« heißt der dynamische Eröffnungssong des aktuellen Motörhead-Albums »The Wörld Is Yours«. Gelten Ihre Sympathien stets den Verlierern?
Ian »Lemmy« Kilmister: Ich identifiziere mich eher mit Verlierern als mit Gewinnern. Die meisten Leute in Bands sind arme Schweine. Meine Songs handeln von Krieg, Sex, Tod und dem Rock 'n' Roll-Lebensgefühl. Ich sehe allerorten Ungerechtigkeit. Europa hat zwar die Demokratie, aber sie ist nicht perfekt. Leider weiß ich auch kein besseres System; an den Kommunismus glaube ich nicht.

Mit Ihrem Votum können Sie etwas verändern. Gehen Sie regelmäßig zur Wahl?
Kilmister: Wen sollte ich denn wählen? Es geht immer nur darum, sich zwischen zwei Übeln zu entscheiden. Die politischen Eliten haben sich von den Menschen abgekoppelt. Ich fände es cool, wenn einmal niemand zur Wahl ginge.

Gibt es noch politische Führer, die nicht nur an sich selbst denken?
Kilmister: Obama wurde gewählt, weil er gut reden konnte. Aber ich bin sehr enttäuscht von ihm. Er ist der mächtigste Mann der westlichen Welt - doch er kämpft nicht hart genug. Ich weiß, dass er von diesen ganzen Arschlöchern in Washington blockiert wird. Obama ist in seinem Amt noch nicht mal richtig angekommen, aber er wird beurteilt wie ein alter Präsident. Ich finde, Obama sollte sich mit besseren Beratern umgeben. Wenn sich auf der Welt nichts ändert, wird die menschliche Rasse langsam aber sicher untergehen. Nur die Kakerlaken werden überleben, weil sie mehr Grips haben als wir.

Motörhead hat auch eine politische Seite. Wird das oftmals übersehen?
Kilmister: Erst einmal möchte ich klarstellen, dass wir alle Politiker hassen. Indem wir das in unseren Songs ausdrücken, sind wir selbst politisch. Wir sind jedoch nicht wie The Clash oder U2. Wir sagen nicht, dass ein System besser ist als das andere. Die Dummen sind immer die Kleinen.

Einer Ihrer neueren Songs heißt »I Know How To Die«. Welche Erfahrungen mit dem Tod haben Sie gemacht?
Kilmister: Ich habe viele Leute an Heroin krepieren sehen. Ich war 26, als meine Freundin direkt neben mir an einer Überdosis starb. Während der Aufnahmesessions zum neuen Album tat der Vater unseres Gitarristen Phil Campbell seinen letzten Atemzug. Phil ist ganz anders als ich. Er hatte ein sehr enges Verhältnis zu seinem alten Herrn.

H&M verkauft Motörhead-T-Shirts für Kinder und Ihr Song »Ace Of Spades« erklingt jetzt in einer Bierwerbung. Ist Heavy Metal längst gesellschaftsfähig geworden?
Kilmister: Man muss aufpassen, dass man sich nicht prostituiert. Ich jedenfalls trinke dieses Bier gar nicht, aber wir wurden gut bezahlt. Für den Spot haben wir eine akustische Version von »Ace Of Spades« aufgenommen. Ich glaube, das hat vielen die Augen geöffnet und gezeigt, dass wir auch anders können. Dennoch wird unsere Musik immer sehr rau und aggressiv klingen.

Ich glaube, ich bin zu alt für einen Umzug
 

In der Dokumentation »Lemmy - The Movie« gibt es eine Szene, wo Sie sich mit Metallica in Nashville auf ein Konzert vorbereiten. Metallica haben sich als Ihre Fans geoutet. Stolz?
Kilmister: Metallica ist eine extrem gute Band. Es freut mich, dass ich sie - unter vielen anderen - inspiriert habe. Sie überraschten mich an meinem letzten Geburtstag in Los Angeles: Alle vier waren als Lemmy verkleidet mit Perücken und weißen Stiefeln. Sogar meine Tattoos hatten sie imitiert - allerdings auf dem falschen Arm. Ich habe mich gekringelt vor Lachen.

Ozzy Osbourne ist einer der Stars, die für die Doku zuhause interviewt wurden. Die Produzenten finden, Ozzys Haus sei definitiv das beste unter den Rocker-Villen. Sie hingegen leben nach wie vor in einem kleinen Apartment. Ist Ihnen Glamour verhasst?
Kilmister: Nein. Ich hätte schon gern eine größere Wohnung. Ich glaube, ich bin zu alt für einen Umzug. Außerdem lebe ich ganz in der Nähe meiner Lieblingsbar The Rainbow am Sunset Strip.

Haben Sie Pläne für die Zeit nach Motörhead?
Kilmister: Ich bin Mitte 60. Was glauben Sie, wie viel Zeit mir noch bleibt? Ich haue so lange auf den Sandsack ein, wie es geht.

Letzte Frage: Wie geht es Ihrem Gehör?
Kilmister: Ich kann Sie gut hören, wenn Sie das meinen. (GEA)

Motörhead live:
27. 11., 19 Uhr,
Schleyerhalle, Stuttgart

Das Album:
The Wörld Is Ours Vol. 1 - Everything Further Than Everyplace Else
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