Esst gesünder! Bewegt euch mehr! Treibt Sport! Mit immer neuen Kampagnen sollen Sportmuffel Spaß an Fitness und Gesundheit bekommen. Warum das nicht so reibungslos klappt und wie man sich motiviert, sagt Professor Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule.
GEA: Es gibt genügend Appelle, gesünder zu leben. Warum fruchten diese Aufrufe nicht?
Dr. Jens Kleinert: Das liegt hauptsächlich daran, dass die meisten Kampagnen den Kopf ansprechen, aber nicht das Herz. Sie appellieren also an den rationalen Menschen. Unsere Entscheidungen sind in diesem Zusammenhang aber nicht unbedingt rational.
Wer ungesund lebt, wird später krank. Das sollte doch eigentlich jeder wissen!
Kleinert: Ja, das wissen sicherlich die meisten - rational. Wir haben es hier aber mit zwei Effekten zu tun: einem kurzfristigen und einem langfristigen. Der kurzfristige Effekt ist erst mal negativ. Ich muss mich morgens aus dem Bett quälen, um Laufen zu gehen. Draußen regnet?s und ich soll auch noch mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren? Oder Treppen laufen, das ist ja noch schlimmer! Da soll mir mal einer erzählen, dass das schön ist, wenn ich sieben oder acht Stockwerke hochlaufen muss! Das ist natürlich nicht der Fall. Also habe ich kurzfristig erst mal einen negativen Effekt.
Und der positive Aspekt?
Kleinert: Der positive Effekt - also das Gesundbleiben - kommt erst nach einiger Zeit zum Tragen. Nun ist der Mensch aber generell eher kurzfristig orientiert. Das heißt also: Der kurzfristige Effekt ist immer stärker als der langfristige.
Aber Bewegung macht doch auch Spaß. Jedes Kind bewegt sich gern. Wann verlernt man das denn?
Kleinert: Grundsätzlich verlernen wir das nicht. Das ist genauso wie Fahrradfahren. Der Drang nach Bewegung ist in jedem Menschen drin. Doch manchmal wird es anstrengend und ungemütlich. Und dann lassen es viele bleiben.
Aber wenn ich etwa beim Treppensteigen ins Schnaufen komme, habe ich längere Zeit zuvor schon nichts mehr gemacht.
Kleinert: Na ja, Bewegung ist ja nur ein Lebensinhalt, der in bestimmten Lebensphasen in den Hintergrund rückt. Schauen Sie sich den Vereinssport an: Da tummeln sich viele Kinder, Jugendliche und auch noch einige junge Erwachsene. Dann hört das plötzlich auf, weil Beruf, Karriere und Familie wichtiger werden. Zu unseren normalen Lebenskarrieren gehört Sport einfach nicht dazu.
Plädieren Sie dafür, den Sport in den Alltag zu integrieren?
Kleinert: Ich muss schauen, wie ich meine typischen Lebensinhalte mit Sport verknüpfen kann. Genau das ist der Trick: Ich verknüpfe mit meinem Partner Sport, oder ich verknüpfe mit dem Beruf Sport, in dem ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, selbst wenn?s eine halbe Stunde dauert.
Welcher Sport ist überhaupt der Richtige? Was ist besser: Joggen, schwimmen oder Krafttraining? Und kann ich als älterer Mensch auch noch mit Ausdauersport beginnen? In einer mehrteiligen Serie geben wir die Antworten.