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Winzer und Obstbauern befürchten Ernteausfälle nach Frost

Minusgrade haben in den vergangenen Nächten in den Weinbergen und Obstplantagen in Land für Schäden gesorgt. Insbesondere Weinreben sind betroffen - aber auch zwei Obstsorten.

Schnee und Frost in Baden-Württemberg
Schnee liegt auf den Blüten eines Apfelbaums. Foto: Marius Bulling/DPA
Schnee liegt auf den Blüten eines Apfelbaums.
Foto: Marius Bulling/DPA

Nach den frostigen Nächten der vergangenen Tage befürchten Winzern und Obstbauern in Baden-Württemberg Ernteausfälle. »Von Norden bis Süden, im gesamten Weinbaugebiet, haben wir Frostschäden«, sagte der Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg, Hermann Morast, am Freitag. Die betroffene Fläche und der mögliche Ausfall ließen sich noch nicht beziffern: »In manchen Parzellen haben wir Totalschäden. In anderen müssen wir die nächsten ein bis zwei Wochen abwarten, wie sich die Reben entwickeln.«

In den Nächten seit Sonntag sei in vielen württembergischen Lagen die kritische Grenze von minus 1,5 Grad unterschritten worden. »Besonders in diesem Jahr war, dass es sogenannte Höhenfröste waren. Diese sind selten und treffen auch Lagen, die sonst nicht frostanfällig sind«, sagte Morast. Hinzu komme, dass die Vegetationsperiode durch den Klimawandel zwei bis drei Wochen früher beginne. »Die Reben früher Sorten waren bereits bis zu 20 Zentimeter lang. Da haben Winzer schon Arbeit und Energie reingesteckt.«

Aufgrund der vergleichsweise milden Temperaturen hatten Reben und Obstbäume in vielen Regionen Deutschlands bereits im April ausgetrieben. In dieser Phase sind die Blüten aber empfindlich gegenüber Frost. Bundesweit schätzt die Versicherung Vereinigte Hagel den Schaden auf mehr als 500 Millionen Euro.

In den Weinbaugebieten des badischen Landesteils hat der Frost ebenfalls zugeschlagen. Die Schäden seien aber regional sehr unterschiedlich verteilt, sagte der Geschäftsführer des dortigen Weinbauverbands, Holger Klein. »Es geht los im mittleren Breisgau und dann zieht es sich nach Norden hin.« Vor allem betroffen seien die Regionen Ortenau, Kraichgau und Tauberfranken. Konkrete Zahlen lassen sich aber auch dort bislang nicht nennen. »Es gibt Anlagen, wo es große Ausfälle gibt. Wir müssen abwarten, was in den kommenden Wochen passiert«, sagte Klein. Zum einen könnten Reben neu austreiben. Die kritische Phase sei aber auch nicht vorbei. Noch bis Mitte Mai könne es kalte Nächte und damit Schäden geben.

Obstbauern: Sind mit blauem Auge davongekommen

Im Obstbau im Land sind vom Frost vor allem Steinobstsorten wie Kirschen und Zwetschgen betroffen. Es gebe Ausfälle von bis zu 80 Prozent - je nachdem, wo der Betrieb liege, sagte der Präsident des Landesverbands Erwerbsobstbau, Franz Josef Müller. Besonders betroffen sei die Ortenau. In anderen Regionen wie dem Bodenseeraum hätte es hingegen kaum Frost gegeben. Auch bei den Äpfeln gebe es bislang keine großen Probleme. »Im Gegensatz zum Weinbau sind wir mit einem blauen Auge davongekommen«, sagte Müller.

Eine genaue Schätzung des Ernteausfalls durch Frost kann dem Landwirtschaftsministerium zufolge erst in den kommenden Tagen erfolgen. Auch erst dann sei eine Prognose möglich, ob es zu Preissteigerungen von regionalen Produkten wie Wein und Obst komme, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:240426-99-822201/3